Mehrmals wurde der Topsider 'Ankh ar Tharn' schon gebeten,

etwas über sich zu erzählen. Über seine Reisen zu fernen Welten,

über seinen Ursprung oder auch wie er den Weg zu Eurem Planeten namens Erde gefunden habe.

Doch es geziemt sich nicht eines Topsiders, seine eigene Geschichte zu erzählen ...

darum sollen nun Andere zu Wort kommen. Befreundete Erdlinge wissen zu berichten,

dass Ankh ar Tharn auf dieser Welt einem grossen Geheimnis auf der Spur sei.

Dass seine jahrzehntelange Suche auf vielen Planeten dieses Quadranten hier

seiner Erfüllung entgegen strebe. Es sind Wenige, die ihn persönlich kennen,

doch sie alle beschreiben ihn als wissbegierig und hilfsbereit ...

nicht gerade das Bild, welches gemeinhin von der Rasse der Topsider gemalt wird.

Der Eindruck von Überheblichkeit beruht vermutlich auf seiner ausgeprägten Lebenserfahrung

von unterdessen umgerechnet 281 Erdenjahren.

Tho-Nak, Altvorderer von Ankh ar Tharn, erzählt:

"Nennt ihn Ankh ar Tharn, wenn es Euch beliebt ...

ich werde ihn immer Krha-Ohnt, der einzig Lebende, nennen!"

Entrüstet neigt sich der steinalte Tho-Nak vor und trommelt genervt mit den

sechs scharfen Krallen seiner linken Hand auf dem Tisch.

"Wir Topsider sind nämlich sehr stolz auf die uns von den Wissenden zugesprochenen Doppelnamen.

Doch ausgerechnet ER war gezwungen, sich einen "unwürdigen" Namen zu suchen.

Es ist eine Schande, wie diesem ehrenvollen 'Krieger des Lichtes' mitgespielt wurde ...

... doch ich beginne besser am Anfang."

"Am 7. Tag nach Aufgang des 11. Planeten "Ash" geboren,

zur 5241 beglaubigten Umrundung unserer Doppelsonnen,

wurde er als eines von 5 Eiern unseres 9. Geleges in die Brutstation VI überbracht.

Schon nach 98 Tagen schlüpften die Ersten der Brut und es zeigten sich bis

zum 1. Sonnenuntergang erstaunlicherweise 5 allesamt männliche Nachkommen.

In der Regel ist das Schlüpfverhältnis der Männchen zu den Weibchen

mehr oder minder ausgeglichen; dies jedoch schien besonders wertvoller Nachwuchs zu sein.

Doch nach 3 Tagen lebte nur noch ein Einziges der Jungen.

Obwohl die Aufseher der Brutstation VI ihr Leben darauf verschworen,

dass alle gängigen Vorsichtsmassnahmen penibel eingehalten worden seien,

war es also geschehen. Ich nehme an Ihr wisst, dass junge Topsider dazu neigen,

ihre "Konkurenz" zu töten? Nun, jedenfalls scheint dies nicht ungewöhnlich zu sein,

haben wir doch ähnliche Verhaltensmuster auch bei anderen Lebensformen registriert.

Aber noch nie war dies bereits in der Brutstation geschehen!

Es zeugt von erstaunlicher Kraft und einem ausgeprägten Überlebenswillen,

einem besonderen Zeichen gleich. Nun, unsere Wissenden wurden jedenfalls

sehr schnell davon unterrichtet und sie hielten eine Beratung ab,

die zwei Tage und zwei Nächte andauerte. Sein Name solle Krha-Ohnt lauten ...

"der einzig Lebende."

Schwer atmend lehnt sich Tho-Nak zurück und man sieht ihm an,

dass ihn die Erinnerung noch heute aufwühlt. "Schnell wurde klar,

dass Krha-Ohnt etwas Besonderes, etwa Eigenartiges, etwas Fremdes anhaftete.

Er wuchs schneller als üblich, er wurde kräftiger als durchschnittliche Topsider seines Alters,

er frass mehr Weelocks und Threethumbs als die verfressenen Vorkoster

unseres damaligen Patriarchen --- und er war von einer immensen Neugierde erfüllt.

Die Wissenden beschlossen, ihn zu einem ‚Krieger des Lichtes' zu erziehen.

Nun gut, somit entfiel für die Familie die Sorge um Ernährung, Kleidung, Ausbildung.

Zu schade, dass er seine Geschwister allesamt getötet hatte, denn nun blieb meiner Frau

aus dem 9. Gelege kein Nachwuchs. Und Krha-Ohnt sollte

der letzte Nachkomme unseres Hauses bleiben ..."

Ein dröhnendes Brummen entweicht Tho-Nak's Kehle, ein Zeichen tiefer Trauer.

"Natürlich haben wir die weitere Entwicklung von Krha-Ohnt aufmerksam und voller Stolz verfolgt.

Sein Interesse an allen Dingen war enorm, seine Leistungsfähigkeit ausserordentlich ...

die idealen Voraussetzungen für einen Krieger des Lichtes."

Die Frage, aus welchem Grund Krha-Ohnt damals seinen Namen verlor,

beantwortet der alte Echsenähnliche anhand eines Gleichnisses:

"Das Thryn-Baa (Anm.: ein Grundnahrungsmittel auf Topsid) reift zuerst in der Erde,

dann auf dem Feld und zuletzt im Keller des Bauern ...

der freie Wille reift zuerst im Ei, dann im Intellekt ...

aber er endet im Kerker des Patriarchen!"

"Wenn man behauptet, in den alten Schriften Erklärungen und Zusammenhänge zu finden,

die von den Wissenden seit Jahrtausenden übersehen wurden ... tja, dann ..."

Nach einem ausgiebigen Schluck aus einem Beutel mit Keeron-Beeren-Schnaps,

einem tiefen Durchatmen und einem undefinierbaren Blick aus seinen smaragdgrünen Augen

murmelt die alte Echse: "Mehh-Nak sei Dank konnte er entkommen.

Und es würde mich nicht erstaunen, wenn "der einzig Lebende"

eines Tages mit erstaunlichen Erkenntnissen unseren Wissenden

das wahre Wissen unterbreiten würde!"

Noch lange erzählt Tho-Nak von seinem Jungen, den er kaum einen Tag um sich hatte.

In seiner knorrigen und doch irgendwie zischelnden Stimme schwingt Stolz mit,

und Stolz zählt unter Topsidern bestimmt nicht zu den schlechten Eigenschaften ...

Auf die Frage nach den "Kriegern des Lichtes" verweist uns der alte Tho-Nak jedoch an die Wissenden ...

Die Inschrift am Eingang zum Tempel des Wissens bezieht sich erstaunlicherweise auf den Glauben!

"Ein Krieger des Lichts glaubt.

Weil er an Wunder glaubt geschehen Wunder.

Weil er sich sicher ist, dass seine Gedanken

sein Leben verändern können, verändert sich sein Leben.

Weil er sicher ist, dass er der Liebe begegnen wird begegnet ihm diese Liebe auch.

Manchmal wird er enttäuscht, machmal verletzt.

Aber der Krieger weiss, dass es sich lohnt.

Für jede Niederlage gibt es zwei Siege.

Alle, die glauben, wissen das.

Daneben zeigt sich ein Wappen, welches einen geteilten (zersplitterten? zerstörten?) Kristall

über unserer Galaxis zeigt. Es entsteht die optische Illusion, dass dieser Edelstein

seinen Ursprung (oder sein Ziel?) in einem Bereich des Orion-Armes unserer Milchstrasse finde ...

Nun, die Auskünfte der Wissenden sind spärlich, wie die Topsider generell sehr unwillig

über ihre Geschichte oder ihre Religion sprechen (obwohl "Religion" anscheinend kaum

die korrekte Übersetzung sein kann). Soweit wir von ihnen auf Topsid jedoch erfahren konnten,

liegt der Ursprung der 'alten Schriften' tief im Kosmos,

wo seit ewigen Zeiten der Kampf zwischen der hellen (guten?) und der dunklen (bösen?)

Materie tobt. Die Beeinflussung, oder besser noch:

die Bekämpfung der Auswirkungen dieses Zwiestreites

scheint der Grund zu sein für die Ausbildung besagter 'Krieger des Lichtes'.

Diese 'alten Schriften' umschreiben eine allzusammenhängende Weltenordnung,

welche nur aufrecht erhalten werden könne, wenn die positiven

und negativen Kräfte im Gleichgewicht gehalten werden.

Und die Bestrebungen der zerstörerischen Kräftesind danach enorm.

"Leider wissen die wenigsten Völker der Galaxis von diesem gefahrvollen Sachverhalt,

und darum sind es nur einige Wenige, die für die Erhaltung des Lichtes kämpfen",

bedauert einer der Wissenden. "... und einer unserer vielversprechendsten Krieger

musste seinen eigenen wirren Ideen folgen. Die alten Schriften sind eindeutig und erlauben

keine individuelle Interpretationen!"

Die zurückhaltenden Informationen ergeben das Bild einer Kaste von Kämpfern,

ausgebildet an vielfältigen Waffen vieler Welten, belehrt in der Zubereitung

verschiedenster Tränke und Heilmittel, herangeführt an die Gesetze der Magie,

jedoch ohne sie selbst zu praktizieren.

Es ist wahrlich nicht viel an Informationen zusammen gekommen,

doch man muss sich damit wohl oder übel zufrieden geben.

Nun, eigentlich ist es schon sehr viel, wenn man das restriktive Mitteilungsbedürftnis

der Topsider berücksichtigt!

Hier noch ein paar gesammelte Fragmente:

Jeder Topsider trägt eine Rolle auf sich.

Darin ist sein Name festgehalten und seine Vorfahren.

Darin hält er auch seine Erfahrungen und Schlüsse fest.

Als Krha-Ohnt seinen Namen ablegen und sich selbst einen unwürdigen Namen geben musste,

liess er auch seine Rolle zurück. Darin steht ein bezeichnender Ausspruch,

den wir zum Abschluss unseres heutigen Beitrages zitieren wollen:

"Wer seine Freunde behält, wird niemals von den Stürmen des Lebens beherrscht.

Er hat die Kraft, die Schwierigkeiten zu überwinden und voranzuschreiten.

Häufig jedoch fühlt er sich von denen herausgefordert,

denen er beibringt, das Schwert zu führen. Seine Schüler fordern ihn zum Kampf heraus.

Der Krieger zeigt, wozu er fähig ist: Mit wenigen Paraden entwaffnet er seine Schüler,

und die Harmonie kehrt an den Versammlungsort zurück.

"Warum tust du das, wo du ihnen doch haushoch überlegen bist?" wird er gefragt.

"Weil sie, wenn sie mich herausfordern, in Wahrheit mit mir in Kontakt kommen wollen

und ich so den Dialog aufrecherhalte", entgegnete der Krieger.

Vielleicht noch dieses: Der Name "Ankh ar Tharn" bedeutet in unserer Sprache

sinngemäss "der von vielen Welten träumt", und es scheint trotz der

unrühmlichen Umstände zumindest ein treffender Name zu sein ...